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Unser Kangal Award

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Wird an geprüfte, wertvolle und informative Kangalseiten verliehen.

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Zählt seit September 2010.
Literaturtip: Herdenschutzhunde - von Thomas Achim Schoke.
Dieses Buch jedoch ist das absolute Standardwerk zum Thema und gehört in jedes Regal eines Hirtenhundbesitzers.

Hier gehts zur Beschreibung und Rezension
Dein Hund ist entlaufen oder wird vermisst? Du musst deinen Kangal abgeben und suchst ein neues Zuhause für ihn? Oder du kennst einen Kangal, der in einem Tierheim auf Vermittlung wartet? Kangalworld hilft! Mehr Informationen hier: Kangals suchen eine Zuhause
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PostHeaderIcon Ab wann kann ein Kangal eine Herde bewachen?

Ein Kangalwelpe wird meist zum ersten Mal mit circa 3 Monaten mit seinen Eltern zur Herde zum Wachen geschickt. Wenn die Hunde dann ungefähr ein Jahr alt sind, haben sie in der Regel die nötigen Vorraussetzungen gelernt, die sie brauchen, um alleine eine Herde beschützen zu können. Mit 2 Jahren sind sie schliesslich auch körperlich voll ausgebildet und bereit gegen Angreifer zu kämpfen und die Herde zu verteidigen. Ab diesem Zeitpunkt sind sie voll befähigt, eine Herde alleine und umfassend zu beschützen.

Schon allein die körperliche Erscheinung der Kangals mit ihrem riesigen, muskulösen Körper, ihren kraftvollen Pfoten, den großen Zähnen und dem kräftigen, lauten Bellen schüchtert viele Angreifer ein und schlägt sie in die Flucht.

Dazu kommt außerdem, dass ein Kangal sich nicht so einfach von Futter überlisten oder verführen lassen wird, und, gemäß seiner Natur, eher misstrauisch bleibt.

PostHeaderIcon Kangals - instinktive Beschützer

Kangals sind von Natur aus Beschützer. Sie wissen instinktiv, dass sie Hirtenhunde sind und werden sich auch von diesem Gefühl leiten lassen. Daher brauchen die auch keinerlei extra Training, um eine Herde bewachen zu können.

Sie beschützen ihre Halter mit allem, was sie haben, und zögern auch nicht, in einem Kampf ihr Leben auf's Spiel zu setzen. Kangals sind die einzige existierende Rasse, die ohne spezielles Trainig für ihren Halter in den Tod gehen würde. Schon ein bedrohlicher Tonfall im Gespräch mit seinem Herrn versetzt einen Kangal in Alarmbereitschaft und lässt ihn aufhorchen. Wird der Halter tatsächlich körperlich angegriffen, greift ein Kangal ein - ohne Befehl.

Zusätzliches Trainig ist nur dann nötig, wenn der Hund auf ein bestimmtes Kommando angreifen oder aufhören soll, oder wenn er jemand anderen als seine Halter beschützen soll.
Profihundetrainer sind hier vergebens, da
"echte" Befehle für einen Kangal nur von seinem Besitzer kommen. Daher sollte ein guter Trainer den Halter unterrichten und ihm die Anweisungen geben.

PostHeaderIcon Die kontroverse Ausbildung zum Herdenschutzhund

Um die Hunde als Schützer und Wächter auszubilden, werden im wesentlichen zwei Methoden benutzt, die unterschiedlicher in ihrer Anwendung nicht sein könnten.

Die einen behaupten, man solle die Hunde als Welpen mit der Herde hinausschicken und ihnen sämtliche menschliche Aufmerksamkeit entziehen, so dass sie sich ganz der Herde widmen und sie als alleinige Begleiter gewohnt sind. Andere wiederum setzen darauf, die Hunde gerade in dieser jungen Phase ganz intensiv zu sozialisieren, so dass sie friedliche Wesen im Kreis der Herde und nicht gefährliche Erwachsene und Kinder in der Nähe akzeptieren.

Ich persönlich bevorzuge die zweite Variante. Die erste ist wohl für solche Tiere gedacht, die mit den Schafen ihre Tage auf Weiden verbringen, die sehr abgelegen und weit entfernt sind, und daher nur ca. einmal die Woche Kontakt zu Menschen haben (sofern es, wie oft der Fall ist, automatisierte Futterstellen gibt). Das mag sinnvoll erscheinen, aber doch denke ich wirft es Probleme auf. Ich frage mich zum Beispiel, wie diese Hunde sich verhalten, wenn die Herde während des Winters und beim Scheren von der Weide geholt wird?

Daher bevorzuge ich es, wenn ein Welpe von Anfang an gut sozialisiert wird. Dadurch wird er lernen bei der Herde zu bleiben, wenn er regelmässig mitgenommen wird, und gleichzeitig geliebt, gefüttert und unterhalten zu werden, woraufhin er sich auch freundlich gegenüber Menschen verhalten wird.

PostHeaderIcon Das Bellverhalten von Kangals

Bei Kangals kann man im wesentlichen zwischen drei "Bellarten" unterscheiden.

Sie geben ein gleichmäßiges, abgehacktes Bellen von sich um zu zeigen, dass in der äußeren Bewachzone etwas aufgetaucht ist. Wobei sie aber den Eindringling in dieser Entfernung noch nicht als gefährlich einstufen, ihn aber trotzdem im Auge behalten.

Ein sehr dominantes Bellen, welches das erste stark an Schnelligkeit und Lautstärke übertrifft, ertönt, wenn der Hund auf dem Feld etwas erspäht oder sich etwas nähert, das eine Gefahr bedeuten könnte und erhöhte Aufmerksamkeit verlangt. In diesem Fall lenkt auch die Herde ihre Aufmerksamkeit auf den Hund um auf seinen Befehl zu warten, wenn er sie veranlasst, sich an einen bestimmten Ort zu bewegen, den er selbst als sicher beurteilt.

Ein dominantes, drohendes Knurren mit gefletschten Zähnen deutet auf etwas hin, das sehr gefährlich ist und unbedingt aufgehalten werden muss. Hier droht absolut akute Gefahr.

PostHeaderIcon Wie beschützt ein Kangal eine Herde

Ein anatolischer Hirtenhund beschützt seine Herde zum einen, indem er eine "äußere Grenze" um die Schafe zieht, die er einmal morgens und einmal abends umrundet, um das Territorium zu markieren. Nichts innerhalb dieser äußeren Grenze wird von den Hunden beschädigt, sie drehen lediglich ihre Runde und kehren danach zurück zur Herde.

Zum anderen zieht der Hund eine "innere Grenze" um die Herde, deren Gebiet er als Beschützerzone ansieht. Er hält sich immer zwischen der Herde und dieser Pufferzone auf, die er zwischen den beiden Begrenzungen gezogen hat, und verhält sich normalerweise immer ruhig, liegt in der Nähe der Herde solange, bis etwas ungewöhnliches in der Zone passiert, die er bewachen soll. Circa einmal pro Stunde steht er auf und zieht seine Kreise unter der Herde, überprüft alles, und legt sich dann wieder an einem neuen Platz nieder. Er erkennt sehr schnell, was der Situation zugehörig ist und welche Personen zu dem Umfeld gehören. Solange dann nichts ungewöhnliches auftaucht, bleibt er ruhig an seinem Platz liegen.

Ein ausgewachsener anatolischer Hirtenhund weiß instinktiv, dass er sich ruhig und vorsichtig zu verhalten hat, und sich unter der Herde unauffällig bewegen soll. Wenn er dauernd unruhig durch die Menge streifen würde, würde er damit die Tiere nervös machen und könnte sie somit nicht mehr richtig beschützen. Kangals haben hier eine sehr hohe Grenze, bis sie tatsächlich den Frieden stören weil sie etwas als Gefahr sehen. Beim ersten Bellen, dass sie dann von sich geben, signalisieren sie der Herde sogar immer noch, dass keine Gefahr besteht. Beim zweiten Bellen übermittelt er ihnen, dass der Störenfried immer noch anwesend ist und deshalb erhöhte Aufmerksamkeit angebracht ist. Die Herde wird dann weiterhin grasen, wird aber mit einem Ohr auf den Hund horchen.Wenn dieser dann entscheidet, dass eine Gefahr wirklich bedrohend ist, verändert sich beim Bellen die Tonlage. Er beginnt hin und her zu laufen und signalisiert der Herde, zusammenzukommen, und zeigt ihnen, in welche Richtung sie sich bewegen sollen, so dass ein Vorteil gegenüber dem Eindringling entsteht. Er kann durch seine Bewegungen die Herde sichern, ohne dabei dem Feind den falschen Eindruck eines Rückzuges zu vermitteln.

Der Körperbau der anatolischen Hirtenhunde ist so gemacht, dass sie etwas länger als hoch sind. Dies verleiht ihnen einen federnden Gang, der ihnen erlaubt, sich sehr schnell zu bewegen ohne aber den Eindruck einer solchen Schnelligkeit zu machen. Sie können eine Herde komplett durchqueren um alles zu überprüfen, ohne auch nur ein einziges Schaf zu beunruhigen. Seitdem die Hunde mit der Aufgabe bedacht wurden, Schafe in den Hochplateaus Anatoliens zu bewachen, mussten sie die gleiche Agilität wie die Schafe aufweisen. Sobald ihre Geschwindigkeit sich erhöht, wird ihr Gang sehr schmal, ideal also, um enge Pfade schnell zu durchkämmen. Durch diese Beweglichkeit benötigen sie auch gar kein massives Gewicht, um Feinde und Eindringlinge abzuwehren.

Eigentlich ist "hüten" nicht wirklich das richtige Wort für die Tätigkeit der Kangals. Die Herde kann laufen, wo immer sie hinmöchte, da die einzige Aufgabe des Hundes im Bewachen liegt. Sollte ein Mitglied in der Herde sich ungewöhnlich verhalten, wird der Hund in seiner Nähe bleiben und bellen, um die Aufmerksamkeit des Schäfers erregen. (Z.B. wenn ein Tier in einem Loch feststeckt oder sich irgendwo verfangen hat) Wenn ein Herdenmitglied auf dem Rücken liegt und sich absolut still verhält, wird das den Hund lediglich dazu veranlassen, bei ihm zu bleiben, nicht aber zu bellen. Denn solange das Tier ruhig daliegt, weiss der Hund nicht, dass etwas mit ihm nicht stimmt.

PostHeaderIcon Worauf man bei der Haltung besonders achten muss

Es gibt viele unterschiedliche Meinungen darüber, welche Haltung für Kangals nun die artgerechteste ist. Einige meinen, die Tiere könnten sich nur zufrieden fühlen, wenn man sie in ihrer ursprünglichen Umgebung, also Anatolien, aufzieht. Ich denke allerdings, dass man bei gegebenen rassespezifischen Voraussetzungen und einem artgerechten Umfeld auch außerhalb ihres ursprünglichen Arbeitsumfeldes den Kangals ein gutes, sicheres Zuhause bieten kann, ohne dass dabei grundlegende Wesenszüge verloren gehen. Man sollte aber auch erwähnt haben, dass Kangals grundsätzlich nur in erfahrene Hände gegeben werden sollten, da diese Rasse eben besonderes Feingefühl und Gespür erfordert.

Zum einen ist es wohl unabdingbar, dass die Kangals in ihrem sozialen Bedürfnis befriedigt werden, weshalb ein enger Familienkontakt und wenn möglich auch Umgang mit anderen Tieren geradezu verpflichtend ist. Es muss dafür gesorgt sein, dass der Hund sein tiefverwurzeltes Verantwortungsgefühl und Schutzbedürfnis ausleben darf, was allerdings auch ohne anatolische Schafherde möglich ist. Man muss den Hunden unbedingt die Gelegenheit geben, in den Abend- und Morgenstunden ihrem Wachbedürfnis zu frönen, sodass ihre feinfühligen Sinne wie Augen, Ohren und Nase befriedigt werden können. Daher ist die Rasse für eine ausschließliche Wohnungshaltung absolut ungeeignet!

Angst vor dauerhaftem "Gekläffe" braucht man in der Regel nicht zu haben, da Kangals sehr schnell lernen, welche Situation zugehörig ist und welche nicht, und schlagen dann nur bei wirklicher Gefahr an. Dafür ist es allerdings wichtig, dass die Hunde gleich in den ersten Lebensjahren mit ihrer kompletten Umwelt vertraut gemacht werden, damit sie fremde und zugehörige Situationen später unterscheiden können. Das soziale Umfeld erkennen junge Hunde auch sehr schnell an und entwickeln meist bald eine hohe Bereitschaft, den Wünschen des Halters nachzukommen. Denn die enge Verbindung zwischen Hund und Halter basiert stark auf dem gegenseitigen Bedürfnis des Wohlgefallens und nicht auf der Autorität des Halters, da ein Kangal auf diese nur sehr bedingt reagiert. Wichtig ist, dass ein Vertrauensverhältnis entsteht. Dies verlangt immer Erfahrungen, und zwar je mehr desto besser.

Diese Rasse hat außerdem ein innewohnendes Bedürfnis nach Ruhe und sie wird versuchen diesem mit allen Mitteln nachzukommen. Daher ist die einzig sinnvolle Strafe für einen Kangal, ihn aus dem Sozialverband auszuschließen, da er alles tun wird, um wieder aufgenommen zu werden und dadurch am schnellsten lernt, was von seinem Halter erwünscht ist.

Dieses Band, diese enge Verbindung, die da zwischen Halter und Hund eingegangen wird, ist wohl mit die wichtigste Komponente der Erziehung eines anatolischen Hirtenhundes. Es ist stets darauf zu achten, dem Hund die Menschen immer in Relation zu angenehmen Gefühlen nahe zu bringen. Was nicht heißen soll, dem Hund seine Bereitschaft zur Verteidigung zu nehmen, sondern lediglich die Hemmschwelle hoch anzusetzen (zumindest Menschen gegenüber).

Auch wenn hier teils oft sehr übertrieben wird darf man trotzdem nicht verheimlichen, dass bei falscher Erziehung und Haltung der Kangal tatsächlich zu einer Gefahr für seine Umwelt werden kann. Dies gilt zwar für viele andere Rassen gleichfalls, ist aber bei den Kangals besonders zu betonen, da sie bei Herausforderungen ihrer Verteidigungsbereitschaft unmittelbar und gegebenenfalls auch ohne Vorwarnung reagieren, was durch die Anforderungen der Hirten bedingt ist, die großen Wert auf den Mut und die Reaktionsschnelle ihrer Hunde legen.

Wer sich einen Kangal ins Haus holen möchte sollte sich vorher absolut im Klaren darüber sein, welch große Verantwortung ihm damit zukommt und sollte prüfen, ober die gegebenen Haltungsbedingungen erfüllen kann. Gerade in den ersten paar Jahren verlangt so ein Hund einiges an Geduld, Zeit und Liebe, und man muss bereit sein ca. 14 Jahre seines Lebens mit diesem Hund zu teilen und sich selbst nach den Ansprüchen des Hundes zu richten. Diese Rasse kann man oftmals nur schwer beschreiben, weil sie sich so sehr von anderen unterscheidet. Man muss sie erleben.

Die Hunde bestechen eben nicht nur durch ihre harmonische Eingliederung in die Familie, sondern auch durch ihren zärtlichen, fast schon fürsorglichen Umgang mit Menschen und anderen Tieren und die gesunde Verteidigungsbereitschaft. Auch die zu erwartenden Unkosten sind eher gering, da Kangals in der Ernährung recht anspruchslos sind und keine rassespezifischen Krankheiten bekannt sind. (Zur Ernährung sei allerdings gesagt, dass ein ZU hochwertiges Futter Schädigungen der Haut hervorrufen kann!) Dies wird nachvollziehbar, wenn man sich bewusst macht, dass die Hunde in ihrer Heimat meist von Brot und Wasser leben müssen und sich eine Generation von Hunden nur durchsetzt, wenn sie dieser mangelhaften Ernährung standhalten kann.

Externer Link: Ferienhäuser mit Hund

PostHeaderIcon Das Beuteverhalten anatolischer Herdenschutzhunde

Da Kangals Herdenschutzhunde und keine Angreifer sind ist stets darauf zu achten, dass ihr Jagttrieb so gering wie möglich ausgeprägt ist. Um die Herde angemessen zu bewachen ist es von höchster Wichtigkeit, kein Beuteverhalten an den Tag zu legen. In den Genen werden wohl sicherlich Veranlagungen für Jagtverhalten auch bei Kangals vorhanden sein, jedoch kann man durch gezielte Zuchtauswahl dieselbige stark verdecken und dafür sorgen, dass die Reizschwelle zu einem derartigen Verhalten so hoch angelegt ist, dass solche Eigenschaften erst gar nicht zum Vorschein kommen. Schon bei der Erziehung der Welpen ist darauf zu achten, dass solches Verhalten nicht von der Mutter erlernt wird.

In der Türkei werden Hunde mit solch fehlgeleiteten Jagteigenschaften nicht selten ausgestossen, bisweilen sogar getötet. Manchmal sogar von fremden Hirten, wenn der Hund seine Herde in Unruhe versetzte. Und genau das darf nämlich nicht passieren.

Herdenschutzhunde müssen sich inmitten der Herde befinden und frei bewegen können, ohne diese zu beunruhigen, was durch jegliches Jagtverhalten hervorgerufen werden könnte. Bei den meisten Hütehunden zum Beispiel wird verlangt, dass sie die Herde einkreisen und zusammentreiben. Durch das Anstarren und das Einkreisen werden die Tiere allerdings beunruhigt. Dies darf ein Herdenschutzhund nicht. Er muss unter den Schafen leben können, ohne für Unruhe zu sorgen oder gar die Tiere zu bedrohen.

Die Reizschwelle des Selbstschutzes (der bei allen Hunden mehr oder weniger stark ausgeprägt ist) ist wiederum eine andere Sache. Bei Kangals sollte sie in einem natürlichen Maße erhalten bleiben. In der Türkei wird sie teils von Züchtern durch gezielte Auslese nach unten verschoben, um ein reaktionsschnelleres Verteidigungsverhalten hervorzurufen. Dabei ist es aber von hoher Priorität darauf zu achten, dass diese Eigenschaft eine natürliche Ausgewogenheit behält. Dass das Verhältnis zwischen Selbstschutz und der nötigen Aggressivität, gepaart mit der hohen Eigenständigkeit der Kangals, keine extremen Maße annimmt. Unter deutschen Verhältnissen wäre eher darauf zu achten, die Reizschwelle weiter oben anzusiedeln.

Es ist nicht immer ganz leicht, die gesunde und angemessene Höhe der Reizschwelle zu definieren. Ist sie zu hoch angesetzt ist es möglich, dass der Hund an Verteidigungsbereitschaft verliert. Setzt man sie allerdings zu niedrig an, führt das zu einer schnelleren Aggressivität und der Hund kann womöglich zur Gefahr für die Herde oder gar die Umwelt werden. Somit wäre keinerlei Sozialverträglichkeit mehr gegeben und jeder Hirte würde sich von seinem Hund trennen, da er an beiden erwähnten Fehlverhalten keinerlei Interesse hätte und sehr auf die Ausgewogenheit zwischen der sozialen Verträglichkeit und die Bereitschaft zur Aggressivität bedacht ist.

Dabei ist es unverantwortlich, dass viele Züchter heute nicht mehr genügend auf dieses gesunde Maß der Reizschwelle für den Selbstschutz achten und teils sogar ein Absenken dieser Schwelle angetrebt wird. Bei den meisten Hunderassen sind Jagdtendenzen zwar vorhanden, jedoch ist eine Neigung zum Angreifen oder gar Töten unerwünscht, also eine Beisshemmung wird stets vorausgesetzt.

Bei Wachhunden wiederum verhält sich das mit den Jagdtendenzen anders, und zu jenen zählt ebenso der anatolische Hirtenhund. Deren Motivation ist nicht die Beute, sondern der Schutz. Daher sollte die Neigung zum Selbstschutz ebenso entwickelt sein, wie die Neigung zum Angreifen, was dem Halter ein enormes Maß an Verantwortung zukommen lässt.

PostHeaderIcon Der erwachsene Kangal in der Erziehung

Zuverlässiges Gehorchen bei einem Kangal ist geradezu unmöglich. Aufgrund seines eigenständigen und eigenwilligen Charakters muss man im Voraus planen, damit schwierige Situationen gar nicht erst entstehen.

Es ist wichtig, immer und immer wieder mit ihm zu trainiere
n, so dass er seine Aufmerksamkeit auf den Hundeführer richtet. Kommunikation ist hier sehr wichtig, da es die Bindung zwischen Hund und Halter fördert, klare Führungsansprüche setzt und Regeln und Strukturen aufstellt. Diese Interaktionen müssen auch gar nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, sie sollen dem Hund einfach Spaß machen. Zu viel davon ist nicht nötig und wird den Hund ungemein langweilen. Es reichen zum Beispiel schon sein "Sitz" vor dem Essen oder ein kleines Spiel bevor man einen Hundepark betritt. Dadurch wird der Hund dich respektieren, wenn er eine vertrauensvolle Basis aufgebaut hat.

Knurren oder Beissen liegt nicht in der Natur der Kangals, daher müsste es hier in der Erziehung wenig Probleme geben. Sie sind menschenfreundlich, tolerant und geduldig, was wohl daher kommt, dass die Hunde in ihrer Heimat frei in den Dörfern leben und niemand sich dort leisten kann, dass sein Hund jemanden anknurrt oder sogar beisst, insbesondere Kinder und Frauen. Sollte ein Kangal das tun, wird er meist sofort getötet.

Die Gemeinschaft in den Dörfern Anatoliens ist sehr wichtig und die Menschen sind aufeinander angewiesen. Diebstahl ist daher ein Fremdwort für sie. Kangals müssen also nicht vor Menschen beschützten, sondern eher vor Raubtieren, weshalb sie heute niemals Menschen Gewalt entgegenbringen.

Durch diese Eigenschaften bekam der Kangal ganz neue Aufgaben. In den USA, in England oder in Schweden werden viele Kangals als Therapiehunde ausgebildet, insbesondere für den Umgang mit Schwerbehinderten, Autisten oder Hundephobikern.


PostHeaderIcon Verhalten gegenüber anderen

Jeder hat sein eigenes Revier und bewacht die Grenzen gut, so dass ihm kein anderer Hund in die Quere kommen kann. Sie zeigen viel territoriales Gebaren und Anspruch auf Individualdistanz.Außerdem zeigen sie meist starkes Markierverhalten. In ihrem kompletten Sozialverhalten sind sie sehr instinktsicher, jedoch kommt es, entgegen weitläufiger Gerüchte, eher selten zu Kampfhandlungen mit Wölfen oder anderen Raubtieren. Da der Kangal eher Verteidiger denn Angreifer ist, begnügt er sich meist damit seine Gegner in die Flucht zu schlagen und belässt es dabei. Dies ist allein schon wegen der erbärmlichen Lebensumstände notwendig und ökonomisch sinnvoll, da jeder unnötige Kraft- und Körpereinsatz Verschwendung von Energie bedeutet.

Der Kangal ist in seinem Wesen ruhig und ausgeglichen, verfällt nie in unüberlegte Aktionen, ist aber auch stolz und selbstsicher. Wenn es um das Beschützen ihm angetrauter Menschen oder Besitztümer geht ist er absolut zuverlässig und tut dies auch ohne jegliche Aggressivität. Anderen Tieren gegenüber verhält er sich vorsichtig, sogar zärtlich, während er an Artgenossen jedoch langsam herangeführt werden sollte.Gut sozialisiert ist aber selbst das kein Problem.

An Fremde muss er jedoch vorsichtig herangeführt werden, da er instinktiv misstrauisch ist und sollte langsam an Besucher herangeführt werden. Ob er dann zu ihnen Kontakt hat wird er selbst entscheiden. Zunächst verhält er sich neutral und beobachtet sie aufmerksam, wird aber Vertraulichkeiten von Fremden eher nicht akzeptieren. Um es nochmals zu wiederholen: Kangals sind keine Angreifer - sondern Verteidiger! Daher wirken sie oft etwas reserviert Fremden gegenüber, während die in der Familie treu und anhänglich sind und hier eine enorme Bindungsfähigkeit besitzen. Daher ist in unseren Breitengraden ein gut sozialisierter Kangal ein überaus angenehmes Familienmitglied, der alles zur Familie gehörende beschützt. Trotzdem sollte man ihn mit Kindern nicht ohne Aufsicht alleine lassen.

Um die Zuneigung, die er erfährt anzunehmen, braucht ein Kangal sehr lange, da er trotz allem ein sehr sensibler Hund ist. Er geniesst zwar die Aufmerksamkeiten, zieht sich aber relativ schnell wieder zurück und geht seiner Lieblingsbeschäftigung nach: dem Wachdienst.

Im Leben eines Kangals gibt es nichts Überflüssiges. Man meint er spare seine ganze Energie für den einen Tag auf, an dem er seine Familie und ihren Besitz verteidigen muss, wenn es sein muss unter Einsatz seines Lebens.


PostHeaderIcon Kriege

Zur damaligen Zeit war Mesopotamien an seinem Höhepunkt angelangt und expandierte somit in alle Richtungen, was nur durch Eroberungszüge vollzogen werden konnte. Diese Kriege dauerten etliche Monate und musste im Vorraus gut geplant und organisiert werden. Die Soldaten mussten ihre Kasernen also für einen langen Zeitraum verlassen und sich auf feindliches Territorium im Freien begeben. Daher benötigten sie Schutz vor feindlichen Angriffen. Genau für diesen Zweck wurden Hunde eingesetzt, bei denen es sich wiederum mit aller Wahrscheinlichkeit um Kangalvorfahren handelte.

PostHeaderIcon Handel

Bei den Persern, Byzantinern, Ägyptern und den Syrern war es Brauch regelmäßig Luxusgüter auszutauschen. Um diese Waren zu transportieren benutzten die Karawanen überwiegend Landwege. Oft dauerten die Fahrten mehrere Monate, die sie auf sich nehmen mussten, bis sie ihr Ziel erreichten. Natürlich war allgemein bekannt, dass diese Karawanen wertvolle Luxuserzeugnisse mit sich führten, weshalb die Kaufleute auf solchen Geschäftsreisen immer mit der Angst vor Raubüberfällen leben mussten. Daher führten sie während der Fahrten immer große, kräftige, schwarze Hunde mit sich, um sich selbst und ihre Güter zu beschützen. Nach deren Beschreibung sollte es sich auch hier um Vorfahren der Kangals handeln, worauf die überlieferten Informationen und Indizien hindeuten.

Zudem kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass durch diese Händler eine große Verbreitung dieser Rasse stattfand, wenn man sich die Größe und geografische Lage der Länder vor Augen führt.

PostHeaderIcon Tierzucht

Ein großer Teil der Bauernschaft war nicht nur mit der Viehwirtschaft beschäftigt, sondern ebenso mit der Tierzucht. Insbesondere in Ägypten, Syrien, Palästina, Nordiran, Fars und Khoradan war dies sogar die Haupteinnahmequelle der Bauern. Die heute noch bekannten "Merinorschafe" wurden zum Beispiel durch eine Kreuzungszucht mit Maghrebschafen gezüchtet, die sich wegen ihrer Wolle einem großen Bekanntheitsgrad erfreuen. Daher sind sie bis heute immer noch sehr wertvoll und gefragt. Und um diese Schafherden zu beschützen wurden Schutzhunde eingesetzt, wobei wiederum vieles auf Kangalvorfahren hindeutet.

PostHeaderIcon Nomadentum

Auch durch das damals weit verbreitete Nomadentum fanden die Hunde eine Funktion. Die Zentraltürkei war ein großes Durchzugsgebiet für Völkerscharen, die Hunde benötigten, die die Herde beschützen und das Eigentum gegen Fremde bewachen konnten. Die Nomadenvölker hatten meist riesige Schafherden und zogen so von Weideland zu Weideland, während sie sich und ihre Herde von großen, kräftigen und schwarzen Hunden beschützen liessen. Es gibt einige Indizien dafür, dass es sich bei diesen Hunden tatsächlich um die Vorfahren der Kangals handelt.

Das Nomadentum hat wohl auch einen bedeutenden Beitrag zur Vermehrung dieser Rasse getan, da die Landesgrenzen eine riesige Größe an Land umfassten. Im Osten reichten sie bis nach Indien, im Norden bis Mittelanatolien und Persien und im Süden die gesamte arabische Halbinsel bis Atlantik und im Westen das komplette Nordafrika und den größten Teil des spanischen Festlandes.

PostHeaderIcon Prähistorik und frühe Belege

Urspüngliche prähistorische Hunde gab es bereits zu neolithischer Zeit (ca. 7000 v. Chr.). Der Kangal, wie wir ihn heute kennen, ist ein Produkt dessen und aus Hunden der Zeit der Völkerwanderungen in Zentralasien. Vermutlich ist er verwandt mit den frühen Hunden des Molossertyps aus Assyrien.

Archäologische Funde von ca. 1200 v. Chr. belegen die Existenz großer Wachhunde des molossoiden Typs bei den Hethitern. Dieses Volk war indo-europäischer Abstammung und besiedelte Anatolien um ca. 2000 v. Chr. Ursprünglich waren es Krieger und Pferdezüchter, die nach und nach Regionen in der heutigen Türkei, in Syrien und im Irak eroberten und besetzten. Verglichen mit anderen Völkern waren die Hethiter hoch entwickelt und eine eher landschaftlich orientierte Gesellschaft. Die Pferdezucht war meist der Oberschicht vorbehalten, das allgemeine Volk betrieb dagegen Landwirtschaft und züchtete Ziegen und Schafe.

Die Hethiter bewachten außerdem viele Handelsrouten, hatten dabei als Nahrungsreserven immer ihre Schafherden dabei und als Begleiter die Hunde als Wache und Schutz. Es herrschte reger Handelsverkehr mit den Assyrern in Kleinasien (Ostanatolien) und Mesopotamien, wo man auch riesige, dunkelfarbige Hunde besaß. Dies belegen babylonische Basreliefs, die heute in der assyrischen Abteilung des Britischen Museums und in der ganzen Welt zu finden sind. Wobei immer Hunde des gleichen Typs dargestellt wurden: riesig und stark, mit einem schweren Kopf, folglich wahrscheinlich Jagd- oder Kriegshunde.

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