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Literaturtip: Herdenschutzhunde - von Thomas Achim Schoke.
Dieses Buch jedoch ist das absolute Standardwerk zum Thema und gehört in jedes Regal eines Hirtenhundbesitzers.

Hier gehts zur Beschreibung und Rezension
Dein Hund ist entlaufen oder wird vermisst? Du musst deinen Kangal abgeben und suchst ein neues Zuhause für ihn? Oder du kennst einen Kangal, der in einem Tierheim auf Vermittlung wartet? Kangalworld hilft! Mehr Informationen hier: Kangals suchen eine Zuhause
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PostHeaderIcon Kangal Literaturtip des Monats

Heute möchte ich allen unseren Lesern ein Buch aus unserem Kangal Shop ans Herz legen:

Herdenschutzhunde - von Thomas Achim Schoke

Wer sich einen Kangal oder anderen Herdenschutzhund anschaffen und sich vorher einlesen möchte, wird feststellen, dass die deutsche Literatur hier nicht wirklich viel zu bieten hat. Dieses Buch jedoch ist das absolute Standardwerk zum Thema und gehört in jedes Regal eines Hirtenhundbesitzers.

Es ist zudem nicht nur für (künftige) Hundebesitzer geeignet, sondern stellt auch für Hundeausbilder, Tierpfleger und Tierärzte eine gute Informationsquelle dar. Die Schwerpunkte sind Wesensentwicklung und Charaktereigenschaften der Hirtenhunde und es ist mit seinen 375 Seiten das ausführlichste Werk auf dem deutschen Markt.

Im ersten Teil des Buches wird auf Eigenschaften und Verhalten von Hirtenhunden eingegangen. Der zweite Teil bietet einen Überblick über die wichtigsten Hirtenhundrassen, und der dritte Teil schildert die Ausbildung und Haltung der Hirtenhunde.

Das Buch ist in fast schon wissenschaftlicher Sachlichkeit geschrieben, jedoch an jeder Stelle gut lesbar.

Ein weiteres Argument für dieses Buch, auch was speziell Kangals betrifft, ist, dass der Autor keine Überzeugungsarbeit leisten will, sich einen Kangal (oder anderen Hirtenhund) ins Haus zu holen. Er stellt Zusammenhänge und Rekationen dieser Hunde auf die Umwelt dar, bringt aber keine Argumente, warum man unbedingt einen solchen Hund besitzen sollte.

Insbesondere am Beispiel des Kangal finde ich das enorm wichtig, da viele von der Faszination und Andersartigkeit dieser Hunde gelockt werden und sich dann verführen lassen, einen zu kaufen. Nach 2 Monaten stellen sie dann fest, dass es ganz so einfach doch nicht ist mit diesen Hunden und geben Sie wieder ab, oder (noch schlimmer) setzen sie aus.

Durch gute, sachliche und objektive Bücher wie dieses können solche Spontankäufe vielleicht etwas eingedämmt werden. Daher geht meine Empfehlung ganz besonders ans diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, sich einen Kangal anzuschaffen.

Für Menschen, die einen Kangal bereits besitzen, ist das Buch aber ebenfalls uneingeschränkt zu empfehlen, wegen seiner Ausführlichkeit und Informationsfülle.

PostHeaderIcon Gründe für ausbleibende Trainigserfolge

Manch einer, der versucht hat einen Kangal nach seinen Wünschen zu formen, musste enttäuscht ein Scheitern hinnehmen. Wenn die gewünschten Trainigserfolge ausbleiben sind viele geneigt, die Schuld der Rasse in die Schuhe zu schieben und ihnen niedrige Intelligenz zuzuschreiben. Dies ist nicht nur falsch und irreführend, sondern auch unfair der Rasse gegenüber! Ein erfolgloses Trainig ist nämlich in den allermeisten Fälle einem unfähigen Trainer zuzuschreiben.

In der Türkei sind viele Hunde, die für das Militär ausgebildet werden, verwirrt und bringen ebenfalls nicht die gewünschten Trainigserfolge. Dazu muss man wissen, dass die Orte, an denen in der Türkei die Soldaten stationiert sind, ständig wechseln. Da die Hunde immer nur einem Herren gehorchen, gleichzeitig aber einem ständigen Wechsel ausgesetzt sind, sind sie in ihrem Verhalten häufig desorientiert.

Die meisten ausbleibenden Erfolge sind auf die Unfähigkeit des Trainers, auf mangelnde Kommunikation mit dem Hund oder auf eine ungünstige Tageszeit des Trainigs zurückzuführen. Kangals sind Nachttiere und ihre Aufnahmefähigkeit erreicht im Dunkeln erst ihren Höhepunkt. Wenn die Trainingseinheiten demnach tagsüber stattfinden, ist es quasi normal, dass die Erfolge ausbleiben.

Außerdem lieben Kangals kaltes Wetter. Ihre Agilität kann an heissen Sommertagen auf ein Minimum schrumpfen, sich erst gegen Abend entwickeln und schliesslich nachts ihren Höhepunkt erreichen. Daher ist es wahrscheinlich, dass Kangals sich während der Mittagszeit eher störrisch und sturköpfig verhalten, was aber keineswegs auf eine niedrige Intelligenz schliessen lässt!

PostHeaderIcon Kangals - instinktive Beschützer

Kangals sind von Natur aus Beschützer. Sie wissen instinktiv, dass sie Hirtenhunde sind und werden sich auch von diesem Gefühl leiten lassen. Daher brauchen die auch keinerlei extra Training, um eine Herde bewachen zu können.

Sie beschützen ihre Halter mit allem, was sie haben, und zögern auch nicht, in einem Kampf ihr Leben auf's Spiel zu setzen. Kangals sind die einzige existierende Rasse, die ohne spezielles Trainig für ihren Halter in den Tod gehen würde. Schon ein bedrohlicher Tonfall im Gespräch mit seinem Herrn versetzt einen Kangal in Alarmbereitschaft und lässt ihn aufhorchen. Wird der Halter tatsächlich körperlich angegriffen, greift ein Kangal ein - ohne Befehl.

Zusätzliches Trainig ist nur dann nötig, wenn der Hund auf ein bestimmtes Kommando angreifen oder aufhören soll, oder wenn er jemand anderen als seine Halter beschützen soll.
Profihundetrainer sind hier vergebens, da
"echte" Befehle für einen Kangal nur von seinem Besitzer kommen. Daher sollte ein guter Trainer den Halter unterrichten und ihm die Anweisungen geben.

PostHeaderIcon Das Bellverhalten von Kangals

Bei Kangals kann man im wesentlichen zwischen drei "Bellarten" unterscheiden.

Sie geben ein gleichmäßiges, abgehacktes Bellen von sich um zu zeigen, dass in der äußeren Bewachzone etwas aufgetaucht ist. Wobei sie aber den Eindringling in dieser Entfernung noch nicht als gefährlich einstufen, ihn aber trotzdem im Auge behalten.

Ein sehr dominantes Bellen, welches das erste stark an Schnelligkeit und Lautstärke übertrifft, ertönt, wenn der Hund auf dem Feld etwas erspäht oder sich etwas nähert, das eine Gefahr bedeuten könnte und erhöhte Aufmerksamkeit verlangt. In diesem Fall lenkt auch die Herde ihre Aufmerksamkeit auf den Hund um auf seinen Befehl zu warten, wenn er sie veranlasst, sich an einen bestimmten Ort zu bewegen, den er selbst als sicher beurteilt.

Ein dominantes, drohendes Knurren mit gefletschten Zähnen deutet auf etwas hin, das sehr gefährlich ist und unbedingt aufgehalten werden muss. Hier droht absolut akute Gefahr.

PostHeaderIcon Worauf man bei der Haltung besonders achten muss

Es gibt viele unterschiedliche Meinungen darüber, welche Haltung für Kangals nun die artgerechteste ist. Einige meinen, die Tiere könnten sich nur zufrieden fühlen, wenn man sie in ihrer ursprünglichen Umgebung, also Anatolien, aufzieht. Ich denke allerdings, dass man bei gegebenen rassespezifischen Voraussetzungen und einem artgerechten Umfeld auch außerhalb ihres ursprünglichen Arbeitsumfeldes den Kangals ein gutes, sicheres Zuhause bieten kann, ohne dass dabei grundlegende Wesenszüge verloren gehen. Man sollte aber auch erwähnt haben, dass Kangals grundsätzlich nur in erfahrene Hände gegeben werden sollten, da diese Rasse eben besonderes Feingefühl und Gespür erfordert.

Zum einen ist es wohl unabdingbar, dass die Kangals in ihrem sozialen Bedürfnis befriedigt werden, weshalb ein enger Familienkontakt und wenn möglich auch Umgang mit anderen Tieren geradezu verpflichtend ist. Es muss dafür gesorgt sein, dass der Hund sein tiefverwurzeltes Verantwortungsgefühl und Schutzbedürfnis ausleben darf, was allerdings auch ohne anatolische Schafherde möglich ist. Man muss den Hunden unbedingt die Gelegenheit geben, in den Abend- und Morgenstunden ihrem Wachbedürfnis zu frönen, sodass ihre feinfühligen Sinne wie Augen, Ohren und Nase befriedigt werden können. Daher ist die Rasse für eine ausschließliche Wohnungshaltung absolut ungeeignet!

Angst vor dauerhaftem "Gekläffe" braucht man in der Regel nicht zu haben, da Kangals sehr schnell lernen, welche Situation zugehörig ist und welche nicht, und schlagen dann nur bei wirklicher Gefahr an. Dafür ist es allerdings wichtig, dass die Hunde gleich in den ersten Lebensjahren mit ihrer kompletten Umwelt vertraut gemacht werden, damit sie fremde und zugehörige Situationen später unterscheiden können. Das soziale Umfeld erkennen junge Hunde auch sehr schnell an und entwickeln meist bald eine hohe Bereitschaft, den Wünschen des Halters nachzukommen. Denn die enge Verbindung zwischen Hund und Halter basiert stark auf dem gegenseitigen Bedürfnis des Wohlgefallens und nicht auf der Autorität des Halters, da ein Kangal auf diese nur sehr bedingt reagiert. Wichtig ist, dass ein Vertrauensverhältnis entsteht. Dies verlangt immer Erfahrungen, und zwar je mehr desto besser.

Diese Rasse hat außerdem ein innewohnendes Bedürfnis nach Ruhe und sie wird versuchen diesem mit allen Mitteln nachzukommen. Daher ist die einzig sinnvolle Strafe für einen Kangal, ihn aus dem Sozialverband auszuschließen, da er alles tun wird, um wieder aufgenommen zu werden und dadurch am schnellsten lernt, was von seinem Halter erwünscht ist.

Dieses Band, diese enge Verbindung, die da zwischen Halter und Hund eingegangen wird, ist wohl mit die wichtigste Komponente der Erziehung eines anatolischen Hirtenhundes. Es ist stets darauf zu achten, dem Hund die Menschen immer in Relation zu angenehmen Gefühlen nahe zu bringen. Was nicht heißen soll, dem Hund seine Bereitschaft zur Verteidigung zu nehmen, sondern lediglich die Hemmschwelle hoch anzusetzen (zumindest Menschen gegenüber).

Auch wenn hier teils oft sehr übertrieben wird darf man trotzdem nicht verheimlichen, dass bei falscher Erziehung und Haltung der Kangal tatsächlich zu einer Gefahr für seine Umwelt werden kann. Dies gilt zwar für viele andere Rassen gleichfalls, ist aber bei den Kangals besonders zu betonen, da sie bei Herausforderungen ihrer Verteidigungsbereitschaft unmittelbar und gegebenenfalls auch ohne Vorwarnung reagieren, was durch die Anforderungen der Hirten bedingt ist, die großen Wert auf den Mut und die Reaktionsschnelle ihrer Hunde legen.

Wer sich einen Kangal ins Haus holen möchte sollte sich vorher absolut im Klaren darüber sein, welch große Verantwortung ihm damit zukommt und sollte prüfen, ober die gegebenen Haltungsbedingungen erfüllen kann. Gerade in den ersten paar Jahren verlangt so ein Hund einiges an Geduld, Zeit und Liebe, und man muss bereit sein ca. 14 Jahre seines Lebens mit diesem Hund zu teilen und sich selbst nach den Ansprüchen des Hundes zu richten. Diese Rasse kann man oftmals nur schwer beschreiben, weil sie sich so sehr von anderen unterscheidet. Man muss sie erleben.

Die Hunde bestechen eben nicht nur durch ihre harmonische Eingliederung in die Familie, sondern auch durch ihren zärtlichen, fast schon fürsorglichen Umgang mit Menschen und anderen Tieren und die gesunde Verteidigungsbereitschaft. Auch die zu erwartenden Unkosten sind eher gering, da Kangals in der Ernährung recht anspruchslos sind und keine rassespezifischen Krankheiten bekannt sind. (Zur Ernährung sei allerdings gesagt, dass ein ZU hochwertiges Futter Schädigungen der Haut hervorrufen kann!) Dies wird nachvollziehbar, wenn man sich bewusst macht, dass die Hunde in ihrer Heimat meist von Brot und Wasser leben müssen und sich eine Generation von Hunden nur durchsetzt, wenn sie dieser mangelhaften Ernährung standhalten kann.

Externer Link: Ferienhäuser mit Hund

PostHeaderIcon Das Beuteverhalten anatolischer Herdenschutzhunde

Da Kangals Herdenschutzhunde und keine Angreifer sind ist stets darauf zu achten, dass ihr Jagttrieb so gering wie möglich ausgeprägt ist. Um die Herde angemessen zu bewachen ist es von höchster Wichtigkeit, kein Beuteverhalten an den Tag zu legen. In den Genen werden wohl sicherlich Veranlagungen für Jagtverhalten auch bei Kangals vorhanden sein, jedoch kann man durch gezielte Zuchtauswahl dieselbige stark verdecken und dafür sorgen, dass die Reizschwelle zu einem derartigen Verhalten so hoch angelegt ist, dass solche Eigenschaften erst gar nicht zum Vorschein kommen. Schon bei der Erziehung der Welpen ist darauf zu achten, dass solches Verhalten nicht von der Mutter erlernt wird.

In der Türkei werden Hunde mit solch fehlgeleiteten Jagteigenschaften nicht selten ausgestossen, bisweilen sogar getötet. Manchmal sogar von fremden Hirten, wenn der Hund seine Herde in Unruhe versetzte. Und genau das darf nämlich nicht passieren.

Herdenschutzhunde müssen sich inmitten der Herde befinden und frei bewegen können, ohne diese zu beunruhigen, was durch jegliches Jagtverhalten hervorgerufen werden könnte. Bei den meisten Hütehunden zum Beispiel wird verlangt, dass sie die Herde einkreisen und zusammentreiben. Durch das Anstarren und das Einkreisen werden die Tiere allerdings beunruhigt. Dies darf ein Herdenschutzhund nicht. Er muss unter den Schafen leben können, ohne für Unruhe zu sorgen oder gar die Tiere zu bedrohen.

Die Reizschwelle des Selbstschutzes (der bei allen Hunden mehr oder weniger stark ausgeprägt ist) ist wiederum eine andere Sache. Bei Kangals sollte sie in einem natürlichen Maße erhalten bleiben. In der Türkei wird sie teils von Züchtern durch gezielte Auslese nach unten verschoben, um ein reaktionsschnelleres Verteidigungsverhalten hervorzurufen. Dabei ist es aber von hoher Priorität darauf zu achten, dass diese Eigenschaft eine natürliche Ausgewogenheit behält. Dass das Verhältnis zwischen Selbstschutz und der nötigen Aggressivität, gepaart mit der hohen Eigenständigkeit der Kangals, keine extremen Maße annimmt. Unter deutschen Verhältnissen wäre eher darauf zu achten, die Reizschwelle weiter oben anzusiedeln.

Es ist nicht immer ganz leicht, die gesunde und angemessene Höhe der Reizschwelle zu definieren. Ist sie zu hoch angesetzt ist es möglich, dass der Hund an Verteidigungsbereitschaft verliert. Setzt man sie allerdings zu niedrig an, führt das zu einer schnelleren Aggressivität und der Hund kann womöglich zur Gefahr für die Herde oder gar die Umwelt werden. Somit wäre keinerlei Sozialverträglichkeit mehr gegeben und jeder Hirte würde sich von seinem Hund trennen, da er an beiden erwähnten Fehlverhalten keinerlei Interesse hätte und sehr auf die Ausgewogenheit zwischen der sozialen Verträglichkeit und die Bereitschaft zur Aggressivität bedacht ist.

Dabei ist es unverantwortlich, dass viele Züchter heute nicht mehr genügend auf dieses gesunde Maß der Reizschwelle für den Selbstschutz achten und teils sogar ein Absenken dieser Schwelle angetrebt wird. Bei den meisten Hunderassen sind Jagdtendenzen zwar vorhanden, jedoch ist eine Neigung zum Angreifen oder gar Töten unerwünscht, also eine Beisshemmung wird stets vorausgesetzt.

Bei Wachhunden wiederum verhält sich das mit den Jagdtendenzen anders, und zu jenen zählt ebenso der anatolische Hirtenhund. Deren Motivation ist nicht die Beute, sondern der Schutz. Daher sollte die Neigung zum Selbstschutz ebenso entwickelt sein, wie die Neigung zum Angreifen, was dem Halter ein enormes Maß an Verantwortung zukommen lässt.

PostHeaderIcon Wer definiert die Wesensmerkmale?

Nun stellt sich die Frage, wer diese inneren Werte definiert. Bestimmt wurden sie durch die Leistungsansprüche, die man in Anatolien an diese Hunde stellte und die Ansprüche, die man an arbeitstaugliche Hunde hatte. Die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl stellten hier die hohe Selbstständigkeit dar, das gute soziale Einfühlungsvermögen, die Treue gegenüber den Schutzbefohlenen und der unbändige Mut. Jedoch legte man ebenfalls Wert darauf, dass die Hunde nicht allzu anspruchsvoll in Ernährung und Haltung sind und robust und widerstandsfähig sind. In Anatolien herrschen erschwerte klimatische Bedingungen, extrem heisse Sommer und sehr kalte Winter. Dem müssen die Hunde gewachsen sein.

Prinzipiell werden auch eher die leichten und wendigen Hunde bevorzugt, da der Hund ideale Möglichkeiten haben soll, die Schafherden zu beschützen und eventuelle Feinde oder Eindringlinge zu verjagen. Durch die Knochenkonstruktion ist es den Kangals ein leichtes sich sowohl kräftig abstossen und strecken zu können beim Vorwärtsschnellen, als auch elastisch aufzuspringen. Ebenfalls vorteilhaft wirkt sich hier die kräftige Bemuskelung aus.

Fazit also: Ein schönes Äußeres ist toll anzusehen, garantiert aber noch lange keinen im Wesen gefestigten Kangal!

PostHeaderIcon Wesen der Kangals im Standard aussen vor gelassen?

Eine Tatsache, die sehr schade ist, ist, dass bei vielen Züchtern heute nur noch der Standard der äußeren Erscheinung Bedeutung hat, und die Wesensmerkmale der Hunde ausser Acht gelassen werden. Hier stellt sich die Frage, wer überhaupt einen solchen Maßstab für Hunde bestimmen darf? Meist liest man überall nur standardisierte Werte der Fellfarbe, Größe, Kopfform, Rute etc., wobei der typische Charakter der Kangals oft nur kurz angestreift, wenn denn überhaupt erwähnt, wird.

Natürlich haben auch solche Beschreibungen einen Sinn. Bei Zuchtausstellungen oder Wettbewerben werden diese Merkmale von den Verbänden und Vereinen im Vorraus festgelegt, da den Punkterichtern oft nicht viel Zeit bleibt die Hunde zu beurteilen und zu bewerten. Hierbei ist es schon von Vorteil, wenn man bestimmte Vorgaben hat, nach denen man seine Wertung richten kann. Jedoch basiert diese dann wohl eher auf der äußeren Erscheinung und die Wesensmerkmale finden nahezu keine Beachtung.

Häufig kommt es jedoch auch vor, dass bestimmte Merkmale wie Gewicht zum Beispiel missachtet werden, um sich einem bestimmten aktuellen Modetrend anzupassen. So kann es passieren, dass ein Hund von einem Richter bevorzugt wird, weil er besonders schön ist und gerade in das Bild des neusten Trends passt und sich dann die Maßstäbe verschieben, was sehr schade ist, da hier viel von der Ursprünglichkeit der Hunde verloren geht und solche Zuchttiere dann auch häufiger eingesetzt werden als es der eigentlichen Rasse guttut. Daraus resultiert eben eine sehr enge Zuchtlinie.

Man darf nicht vergessen, dass gerade die Merkmale, die hier häufig übergangen werden, das Äußere eines Hundes mitformen. Es sind die inneren Werte und die Leistungstauglichkeit die die äußere Erscheinung bilden. Dies bedeutet, dass man gerade in der Zucht erhöhte Aufmerksamkeit denselbigen zuwenden sollte. Insbesondere wenn man geeignete Zuchthunde auswählt.

Daher sollte meiner Meinung nach höchste Priorität auf den Wesenszügen liegen (die ja immerhin viele Generationen brauchten um sich zu entwickeln!) und einer leistungsstarken Körperkonstruktion, wobei allerdings die äußere Erscheinung nicht vernachlässigt werden darf.

In der Türkei beispielsweise gibt es sowohl lang- als auch kurzhaarige Hirtenhunde, die sich aber von den Wesenszügen her gleichen. Dies resultiert aus den unterschiedlichen umweltbedingten Ansprüchen.

PostHeaderIcon Verhalten gegenüber anderen

Jeder hat sein eigenes Revier und bewacht die Grenzen gut, so dass ihm kein anderer Hund in die Quere kommen kann. Sie zeigen viel territoriales Gebaren und Anspruch auf Individualdistanz.Außerdem zeigen sie meist starkes Markierverhalten. In ihrem kompletten Sozialverhalten sind sie sehr instinktsicher, jedoch kommt es, entgegen weitläufiger Gerüchte, eher selten zu Kampfhandlungen mit Wölfen oder anderen Raubtieren. Da der Kangal eher Verteidiger denn Angreifer ist, begnügt er sich meist damit seine Gegner in die Flucht zu schlagen und belässt es dabei. Dies ist allein schon wegen der erbärmlichen Lebensumstände notwendig und ökonomisch sinnvoll, da jeder unnötige Kraft- und Körpereinsatz Verschwendung von Energie bedeutet.

Der Kangal ist in seinem Wesen ruhig und ausgeglichen, verfällt nie in unüberlegte Aktionen, ist aber auch stolz und selbstsicher. Wenn es um das Beschützen ihm angetrauter Menschen oder Besitztümer geht ist er absolut zuverlässig und tut dies auch ohne jegliche Aggressivität. Anderen Tieren gegenüber verhält er sich vorsichtig, sogar zärtlich, während er an Artgenossen jedoch langsam herangeführt werden sollte.Gut sozialisiert ist aber selbst das kein Problem.

An Fremde muss er jedoch vorsichtig herangeführt werden, da er instinktiv misstrauisch ist und sollte langsam an Besucher herangeführt werden. Ob er dann zu ihnen Kontakt hat wird er selbst entscheiden. Zunächst verhält er sich neutral und beobachtet sie aufmerksam, wird aber Vertraulichkeiten von Fremden eher nicht akzeptieren. Um es nochmals zu wiederholen: Kangals sind keine Angreifer - sondern Verteidiger! Daher wirken sie oft etwas reserviert Fremden gegenüber, während die in der Familie treu und anhänglich sind und hier eine enorme Bindungsfähigkeit besitzen. Daher ist in unseren Breitengraden ein gut sozialisierter Kangal ein überaus angenehmes Familienmitglied, der alles zur Familie gehörende beschützt. Trotzdem sollte man ihn mit Kindern nicht ohne Aufsicht alleine lassen.

Um die Zuneigung, die er erfährt anzunehmen, braucht ein Kangal sehr lange, da er trotz allem ein sehr sensibler Hund ist. Er geniesst zwar die Aufmerksamkeiten, zieht sich aber relativ schnell wieder zurück und geht seiner Lieblingsbeschäftigung nach: dem Wachdienst.

Im Leben eines Kangals gibt es nichts Überflüssiges. Man meint er spare seine ganze Energie für den einen Tag auf, an dem er seine Familie und ihren Besitz verteidigen muss, wenn es sein muss unter Einsatz seines Lebens.


PostHeaderIcon Das Wesen der Kangals

Kangals standen und stehen bisher auf mehreren Listen sogenannter "gefährlicher Hunde". Beschäftigt man sich mit den Charaktereigenschaften der Hunde sieht man jedoch ein, dass dies falsch ist.

Kangals sind Herdenschutzhunde und zeichnen sich daher durch ein temperamentvolles, wachsames und mit ausgeprägtem Territorialverhalten versehenes Wesen aus. Sie sind perfekt in der Lage, Angriffe auf Schaf- und Ziegenherden abzuwehren und die Angreifer zu stellen, da sie über ausreichend Kraft, Mut und Ausdauer verfügen.

Da die Rasse, wie bereits mehrfach erwähnt, sehr ursprünglich geblieben ist, hat sie während ihrer Entwicklung kaum menschliche Zuneigung und Beachtung erfahren. Da sie in der Türkei meist selbstständig arbeiten müssen und kaum Anweisungen der Hirten bekommen liegt es bereits in ihrer Natur unter minimaler Anleitung Eigeninitiative zu entwickeln. Sie werden nicht nur achtlos behandelt, sondern werden in ihrer Heimat auch ausschließlich als Arbeitstiere genutzt und erhalten keinerlei Ausbildung. Praktisch äußert sich das für den Hundehalter darin, dass ein Kangal niemals Kadavergehorsam zeigen wird und nicht immer sofort das erste Kommando befolgt.

Die Lebensumstände und die Anforderungen, die sie an die Hunde gestellt haben, haben über viele Jahre hinweg eine Rasse entstehen lassen, zu deren Haupteigenschaften Härte, Selbstständigkeit und Mut gehören. Außerdem sind sie intelligent und anpassungsfähig. In Anatolien haben die Kangals weder Zwinger noch Zäune. Sollte sich ein Hund übermässig aggressiv gegenüber Menschen oder Nutztieren verhalten, wird er nicht toleriert und oft getötet. Jedoch haben die meisten Exemplare eine sehr hohe Reizschwelle, da erst diese sie zu ihrer Arbeit befähigt und sie Jahrhunderte hat überleben lassen.

Kangals verfügen über hervorragende Sinnesleistungen, auch im visuellen Bereich. Besonders in der Dunkelheit zeigt sich eine enorm gesteigerte Wachsamkeit. Kennzeichnend sind außerdem eine sonore Stimme und Bellfreudigkeit, hohes Anpassungsvermögen, aber auch Widerstandsbereitschaft.

Mit etwa zweieinhalb Jahren ist der Kangal ausgewachsen, seine volle Reife erreicht er allerdings erst mit ca. vier Jahren, braucht also verhältnismäßig viel Reife- und Entwicklungszeit. Auch danach ist er immer noch ein sehr sensibler Hund. Die Beschützerinstinkte sind nicht von Anfang an so stark, sondern entwickeln sich erst nach und nach. Viele Halter sind erstaunt und erschrocken, wenn sich das Wesen ihrer Hunde plötzlich mit ca. eineinhalb Jahren drastisch verändert.

Ein Kangal ist in unserer reizüberfluteten Welt immer auch ein Ruhepol. Wer ein Leben mit einem Kangal führt wird ein Stück alter Geschichte erleben und einen Hund voller archaischer Urkraft, der immer noch jene Eigenschaften besitzt, die seine Vorfahren so auszeichneten.


PostHeaderIcon Die Zeit nach Christus - Rasante Verbreitung und Weiterentwicklung

Seit Ende des 7. Jahrhunderts verbreitete sich rasant der Islam in Zentralasien. 977 wurde der erste islamische Staat gegründet (Seldschuken: türkische, kriegerische Nomaden aus einem Sultanat in Zentralasien) , welche die Tore nach Anatolien öffneten. Andere Stämme drangen auch in Kleinasien ein und brachten Herdenschutzhunde mittelasiatischen Typs, die auch Einfluss auf die Entwicklung der unterschiedlichen Hirtenhundrassen nahmen.
So bekamen die Hunde einen festen historischen Platz im osmanischen Reich.

Zu Beginn des 16. Jahrhhunderts war Anatolien beherrscht von Krisen und weitläufig anarchischen Zuständen, was eine starke Landflucht auslöste. Ein Großteil der Landschaft verfiel zugunsten der Viehwirtschaft und weite Landstriche wurden zu Steppen. Sivas blieb auch weiterhin der Mittelpunkt des Lebensraumes und der Kangalzucht. Durch die Abgelegenheit der Dörfer blieb die Rasse größtenteils von fremden Einflüssen verschont, worauf man heute auch sehr stolz ist.

Der volkstümliche Name "Karabash" (= Schwarzkopf) wurde zum ersten Mal 1592 detailliert beschrieben von H. Grüner ("Reise in die Türkei"). Dieser Mann war lediglich ein deutscher Reisender, der eigentlich gar kein bestimmtes Interesse an Hunden hatte. In seinen Berichten beschrieb er sie als "großartige, scharfe Hunde", die "so groß wie Esel" waren. Er machte in seinen Schriften immer wieder deutlich, wie wertvoll die Hunde für die Hirten waren.

Auch der Historiker, Musiker und Poet Celebi erwähnte den Kangal in seinen Reisebüchern:
"Sie führten in doppelten Ketten riesige Rüden, so groß wie Esel und so wild wie Löwen. Die Hunde trugen reich verzierte Decken und silberne Stachelhalsbänder. Diese Hunde können es nicht nur mit jedem Wolf aufnehmen, der ihre Herde bedroht, sondern würden auch nicht vor einem Feuer spuckenden Drachen halt machen. Die Hirten achten mit äußerster Sorgfalt darauf, dass diese Hunderasse rein bleibt; sie würden ihr gesamtes Vermögen als Deckgeld für einen guten Rüden ausgeben."

Er liefert uns hier eine sehr schöne Charakterbeschreibung und man merkt schnell, dass man sich immer schon sorgfältig um die Vermehrung der Rasse gekümmert hat. Der Adel bemühte sich stets um reinrassige Zucht, unter anderem auch die Familie Capanoglu (ottomanische Aristokratie), bis schliesslich vor ca. 60 Jahren endgültig ein Rassestandart festgelegt wurde. Um die Zucht rein zu halten werden auch keine großen Entfernungen gescheut. In vielen Regionen gibt es staatliche Kangalzuchtprogramme.

Mitter der sechziger Jahre wurden erstmals Kangalpaare in die USA und nach England exportiert, so war die weltweite Verbreitung der Kangals nicht mehr aufzuhalten.
1996 fand das erste Symposium über den türkischen Hütehund statt, wo sich Züchter und Experten aus der ganzen Welt einfanden. Man kam überein, dass es in der Türkei mehrere Hirtehundrassen gibt, der Kangal jedoch eine eigenständige Rasse darstellt.

1999 durfte das weltweit erste Kangalfestival in Sivas einen gigantischen Erfolg verbuchen.
Heute ist der Kangal in der gesamten Türkei als "Nationalhund" bekannt und hat schon längst seinen Kultstatus inne. Es gibt dort überall verschiedene akademische Einrichtungen und Zwinger, in denen diese Rasse gezüchtet wird, wobei immer sehr stark auf die sorgfältige Pflege des Stammbaums geachtet wird. Außerdem wurden ihm zu Ehren zwei Briefmarken und eine Münze gewidmet.

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