Das Wesen der Kangals

Kangals standen und stehen bisher auf mehreren Listen sogenannter "gefährlicher Hunde". Beschäftigt man sich mit den Charaktereigenschaften der Hunde sieht man jedoch ein, dass dies falsch ist.

Kangals sind Herdenschutzhunde und zeichnen sich daher durch ein temperamentvolles, wachsames und mit ausgeprägtem Territorialverhalten versehenes Wesen aus. Sie sind perfekt in der Lage, Angriffe auf Schaf- und Ziegenherden abzuwehren und die Angreifer zu stellen, da sie über ausreichend Kraft, Mut und Ausdauer verfügen.

Da die Rasse, wie bereits mehrfach erwähnt, sehr ursprünglich geblieben ist, hat sie während ihrer Entwicklung kaum menschliche Zuneigung und Beachtung erfahren. Da sie in der Türkei meist selbstständig arbeiten müssen und kaum Anweisungen der Hirten bekommen liegt es bereits in ihrer Natur unter minimaler Anleitung Eigeninitiative zu entwickeln. Sie werden nicht nur achtlos behandelt, sondern werden in ihrer Heimat auch ausschließlich als Arbeitstiere genutzt und erhalten keinerlei Ausbildung. Praktisch äußert sich das für den Hundehalter darin, dass ein Kangal niemals Kadavergehorsam zeigen wird und nicht immer sofort das erste Kommando befolgt.

Die Lebensumstände und die Anforderungen, die sie an die Hunde gestellt haben, haben über viele Jahre hinweg eine Rasse entstehen lassen, zu deren Haupteigenschaften Härte, Selbstständigkeit und Mut gehören. Außerdem sind sie intelligent und anpassungsfähig. In Anatolien haben die Kangals weder Zwinger noch Zäune. Sollte sich ein Hund übermässig aggressiv gegenüber Menschen oder Nutztieren verhalten, wird er nicht toleriert und oft getötet. Jedoch haben die meisten Exemplare eine sehr hohe Reizschwelle, da erst diese sie zu ihrer Arbeit befähigt und sie Jahrhunderte hat überleben lassen.

Kangals verfügen über hervorragende Sinnesleistungen, auch im visuellen Bereich. Besonders in der Dunkelheit zeigt sich eine enorm gesteigerte Wachsamkeit. Kennzeichnend sind außerdem eine sonore Stimme und Bellfreudigkeit, hohes Anpassungsvermögen, aber auch Widerstandsbereitschaft.

Mit etwa zweieinhalb Jahren ist der Kangal ausgewachsen, seine volle Reife erreicht er allerdings erst mit ca. vier Jahren, braucht also verhältnismäßig viel Reife- und Entwicklungszeit. Auch danach ist er immer noch ein sehr sensibler Hund. Die Beschützerinstinkte sind nicht von Anfang an so stark, sondern entwickeln sich erst nach und nach. Viele Halter sind erstaunt und erschrocken, wenn sich das Wesen ihrer Hunde plötzlich mit ca. eineinhalb Jahren drastisch verändert.

Ein Kangal ist in unserer reizüberfluteten Welt immer auch ein Ruhepol. Wer ein Leben mit einem Kangal führt wird ein Stück alter Geschichte erleben und einen Hund voller archaischer Urkraft, der immer noch jene Eigenschaften besitzt, die seine Vorfahren so auszeichneten.


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